180er Wetten einfach und vollständig erklärt

180er Wetten laufen neben dem Matchergebnis. Gezählt wird dabei nur, wie oft die 180 fällt, für einen bezeichneten Spieler oder für beide zusammen. Die 180 ist im Dartsport die höchste Zahl, die man mit einer Aufnahme, also mit drei Darts, werfen kann. Wer darauf tippt, wettet also nicht darauf, wer gewinnt, sondern darauf, wie oft ein bestimmtes Ereignis eintritt, und das ist eine andere Rechnung, mit anderen Zahlen und anderen Fallen.

Wie funktionieren 180er Wetten?

Drei Treffer im Triple-20-Feld ergeben 180 Punkte, und mehr ist mit drei Darts nicht möglich. Damit ist die 180 die höchste Aufnahme, die ein Spieler erreichen kann. Dass gerade die 20 im dreifachen Ring den Höchstwert trägt, ist eine Folge der Anordnung auf dem Board. Neben der 20 sitzen die 1 und die 5. Genau deshalb ist die 180 kein Zufallsprodukt, sondern das Ergebnis von drei bewusst gesetzten Würfen in ein Feld von wenigen Millimetern Breite.

Fällt sie, wird sie sofort angesagt und offiziell erfasst, ganz unabhängig davon, ob der Spieler das Leg am Ende für sich entscheidet. Der Ruf des Schiedsrichters, das bekannte „One hundred and eighty“, ist dabei mehr als Show: Er markiert den Moment, in dem das Ereignis in die Statistik eingeht. Weil jede 180 auf diese Weise einzeln festgehalten wird, steht am Ende einer Partie neben dem Ergebnis eine zweite Zahl. Auf sie laufen 180er Wetten, entweder auf die 180er eines bezeichneten Spielers oder auf die beider Spieler zusammen.

Diese Varianten von 180er Wetten gibt es

Deine Wette hängt an einem bezeichneten Spieler, an einem festgelegten Spielabschnitt und daran, wie die 180er darin zusammengerechnet werden. Aus dieser Kombination ergibt sich die Abrechnung, und genau hier unterscheiden sich die sechs Varianten. Der Spielabschnitt ist dabei die Angabe, die am häufigsten überlesen wird: Ob das ganze Match gilt, nur der erste Satz oder nur ein einzelnes Leg, verändert die zu erwartende Zahl um ein Vielfaches, während die Bezeichnung der Wette gleich aussieht.

Variante Was gezählt wird Was entscheidet
Meiste 180er die 180er der beiden bezeichneten Spieler der Vergleich der beiden Summen
Gesamt Über/Unter die 180er beider Spieler zusammen die gemeinsame Summe gegen die Grenze
Spieler Über/Unter die 180er eines bezeichneten Spielers seine Summe gegen die Grenze
Handicap die 180er beider Spieler, um die Vorgabe verschoben der Vergleich nach positiver oder negativer Vorgabe
Exakte Anzahl die gezählten 180er im gewählten Spielabschnitt ob die festgelegte Zahl genau erreicht wird
Erster Spieler die erste 180 der Partie welcher Spieler sie wirft

Fünf dieser Varianten bleiben bis zum letzten Leg offen, und das hat praktische Folgen. Bei Gesamt Über/Unter kann eine einzige 180 in der Schlussphase die Wette drehen, bei der exakten Anzahl kippt sie sogar in beide Richtungen: Eine 180 zu wenig verliert, eine zu viel verliert ebenfalls. Die Wette auf den ersten Spieler mit einer 180 ist dagegen mit dem ersten Treffer erledigt, und alles, was danach geworfen wird, ändert daran nichts mehr. Sie ist damit die einzige der sechs, deren Ausgang oft schon nach wenigen Minuten feststeht, und die einzige, bei der die Gesamtlänge des Matches fast keine Rolle spielt.

Das Handicap verschiebt die Summen, nicht die Zählung. Eine Vorgabe von plus drei bedeutet, dass dem bezeichneten Spieler drei 180er zugeschlagen werden, bevor verglichen wird; eine negative Vorgabe zieht ab. Der Sinn ist derselbe wie bei der Siegwette: Ein deutliches Übergewicht auf einer Seite wird rechnerisch ausgeglichen, damit beide Seiten spielbar bleiben.

In zwei Fällen ergibt die Zählung allein noch kein Ergebnis. Beim Vergleich zweier Spieler können beide gleich viele 180er werfen, und bei Über/Unter kann die Summe genau auf der Grenze landen. Was dann gilt, steht in der Wettregel der einzelnen Variante und nicht in einer allgemeinen Regel für alle 180er Wetten. Das ist keine Nebensächlichkeit: Bei Grenzen wie 8,5 kann der Gleichstand nicht eintreten, bei einer glatten 9 sehr wohl, und beide Angebote stehen oft direkt nebeneinander.

Wie viele 180er in einem Match möglich sind

Das Format setzt die Obergrenze. Ein Match ist auf eine feste Zahl gewonnener Legs oder Sätze angelegt, damit steht fest, wie viele Legs höchstens gespielt werden, und entschieden sein kann es lange vorher. Ein Match über elf Legs kann mit sechs enden; die fünf ungespielten Legs sind Aufnahmen, die es nie gegeben hat.

Jedes zusätzliche Leg bringt beiden Spielern weitere Aufnahmen, und nur in einer Aufnahme kann eine 180 fallen. Ein Match, das über die volle Distanz geht, bietet deshalb deutlich mehr Gelegenheiten als eines, das glatt durchgezogen wird. Wie groß dieser Unterschied ist, zeigt die Größenordnung, in der sich Spitzendarts bewegt: In der Premier League 2024 fielen 660 180er in 1.106 gespielten Legs, also gut sechs 180er auf zehn Legs, verteilt auf beide Spieler am Board. Ein Leg mit vier 180ern ist dagegen so selten, dass die Professional Darts Corporation ihm eine eigene statistische Betrachtung gewidmet hat.

Wie viele dieser Gelegenheiten ein Spieler nutzt, bringt er selbst mit, als 180er-Häufigkeit gemessen an seinen Legs oder an seinen eigenen Aufnahmen. Und hier liegen die Unterschiede weit auseinander. Über eine ganze Premier-League-Saison hat es nur Gary Anderson im Jahr 2011 geschafft, eine Rate von 0,4 180ern je Leg zu halten. Phil Taylor kam 2009 in seinem stärksten Turnier dieser Serie auf 65 180er in 185 Legs, also etwa 0,35 je Leg. Wer solche Werte kennt, kann eine Grenze einschätzen; wer nur die Gesamtsumme eines Turniers sieht, kann es nicht.

Der Gegner zählt in dieser Rechnung nur über die Matchlänge. Er kann eine Partie in die Distanz ziehen oder sie früh beenden; die 180er-Häufigkeit des Spielers ersetzt er nicht. Wer stattdessen vom Kräfteverhältnis auf die Ereigniszahl schließt, rechnet mit der falschen Größe. Ein starker Gegner ist für eine Wette auf viele 180er sogar oft die bessere Nachricht, weil er die Legs liefert, in denen sie fallen können.

Welche Statistik hilft bei Wetten auf 180er?

Aussagekräftig wird die Zahl der 180er im Verhältnis zu den gespielten Legs. Die nackte Summe kann aus doppelt so vielen Legs und aus einem doppelt so langen Zeitraum stammen, und erst mit diesen beiden Angaben wird sie vergleichbar. Ein Spieler mit 60 180ern aus 100 Legs und einer mit 60 aus 200 Legs sind statistisch zwei völlig verschiedene Fälle, obwohl die Summe dieselbe ist. Noch genauer wird der Wert, wenn er auf die eigenen Aufnahmen des Spielers bezogen wird, denn wer seine Legs mit weniger Aufnahmen durchspielt, hatte auch weniger Gelegenheiten für eine 180.

Die Rate je Leg ist damit die Kennzahl, mit der du arbeitest: die Zahl der 180er im Verhältnis zu den gespielten Legs. Die Rate je eigener Aufnahme ist derselbe Wert, nur bezogen auf die Aufnahmen des Spielers statt auf die Legs der Partie. Sie ist genauer, aber sie setzt Rohdaten voraus, die nicht immer öffentlich sind.

Zwei Kennzahlen werden dabei regelmäßig verwechselt, und beide Verwechslungen kosten Geld. Die erste ist der Drei-Dart-Average, also die durchschnittlichen Punkte je drei Darts. Er sieht aus wie ein Maß für Wurfstärke und ist es auch, aber ein hoher Average entsteht auch aus vielen gleichmäßig hohen Aufnahmen und ist keine 180er-Rate. Ein Spieler, der konstant 140 und 100 wirft, kann einen sehr guten Average haben und trotzdem wenige 180er. Die zweite Verwechslung ist der Matchsieg. Er wird über gewonnene Legs oder Sätze entschieden. Eine Wette auf 180er hängt dagegen an der Ereigniszahl, und ein Spieler kann das Match verlieren und trotzdem die meisten 180er geworfen haben.

Auf welche Stichprobe du schaust, entscheidet mit. Die Rate eines Spielers aus einem einzigen Turnier ist ein schwaches Signal, weil das Board, die Bühne und die Gegner mitspielen. Werte über eine ganze Saison sind belastbarer, verwischen aber Formphasen. Brauchbar wird es, wenn beides zusammenkommt: ein Saisonwert als Grundlage und die letzten Auftritte als Korrektur, jeweils mit der Zahl der Legs dahinter.

Alle Kapitel

  1. Kapitel 1Ergebniswetten
  2. Kapitel 2Handicap Wetten
  3. Kapitel 3Über/Unter Wetten
  4. Kapitel 4180er Wetten
  5. Kapitel 5Checkout Wetten
  6. Kapitel 69-Darter Wetten
  7. Kapitel 7Langzeitwetten
  8. Kapitel 8Live-Wetten

Geschrieben von

Mark Jennes

Redaktion

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