Gian van Veen - Karel Sedlacek Tipps und Quoten

Am Samstag um 15:15 Uhr stehen sich in der Amsterdamer AFAS Live zwei Spieler gegenüber, die am Donnerstagabend beide ihr erstes Spiel souverän gewonnen haben. Ab der zweiten Runde gilt allerdings ein anderer Modus: Sie geht über Best of 19 Legs, die erste Runde ging über Best of 11. Gian van Veen ist der Dritte der Weltrangliste und hat das Amsterdamer Publikum hinter sich. Karel Sedlacek ist 47 Jahre alt, steht auf Rang 57 und bestreitet in Amsterdam sein erstes Turnier der World Series überhaupt. Für Sedlacek ist diese Distanz völlig neu, für van Veen nicht.
Gian van Veen: Europameister, WM-Finalist und ein Jahr mit einem Einschnitt
Van Veen ist 24 und hat in den vergangenen zwölf Monaten mehr erreicht als die meisten Spieler in ihrer gesamten Laufbahn. Im Oktober 2025 gewann er die Europameisterschaft, im Finale 11:10 gegen Humphries. Anfang Januar stand er im Finale der Darts-Weltmeisterschaft und unterlag dort Luke Littler. Im Juli erreichte er das Halbfinale des World Matchplay. Mit 1.016.250 Pfund ist er Dritter der Order of Merit, sein Karriere-Preisgeld liegt bei 1.362.559 Pfund.
Dazwischen liegt ein Einschnitt, der seine Saison in zwei Hälften teilt. In der Woche vor dem 25. März 2026 zwangen ihn Nierensteine zur Absage seines Premier-League-Abends in Dublin und zum Rückzug von den Belgian Darts Open. Die Steine wurden operativ entfernt, van Veen verbrachte das Wochenende im Krankenhaus und stand am 26. März in Berlin wieder auf der Bühne, beim achten Premier-League-Spieltag. Er verlor 1:6 gegen Gerwyn Price bei einem Average von 91,50.
Danach ging es über Monate nicht voran. Alle vier Niederlagen, die van Veen 2026 in der zweiten Runde der European Tour kassierte, fielen nach diesem Datum: 2:6 gegen William O'Connor, 3:6 gegen Joe Cullen, 5:6 gegen Madars Razma, 3:6 gegen Rob Cross. Sein Average lag dabei jedes Mal zwischen 91,00 und 93,68, also klar unter seinem eigentlichen Niveau. Seine Jahresbilanz 2026 steht bei 79 Siegen und 55 Niederlagen, das sind 59 Prozent; 2025 waren es 72 Prozent.
Seit Anfang Juli zeigt die Entwicklung jedoch wieder nach oben: Achtelfinale, Viertelfinale, Achtelfinale, Halbfinale in den vier jüngsten Turnieren der European Tour. Am vergangenen Wochenende in Antwerpen schlug er Gabriel Clemens 6:3 mit einem Average von 101,54, Kevin Doets 6:5 mit 99,51 und Chris Dobey 6:3 mit 96,30, ehe er im Halbfinale 6:7 gegen Ross Smith verlor. Am Donnerstag in Amsterdam schlug er Dobey erneut, diesmal 6:2 bei 95,47 gegen 83,18. Über diese fünf Auftritte auf der Bühne kommt er im Mittel auf 97,14 — mehr als sein Zwölfmonatswert. Der 6:2-Sieg war zugleich sein erster Sieg überhaupt bei den World Series of Darts Finals; sein einziger vorheriger Start endete 2024 in der ersten Runde.
Seine Stärke ist das frühe Scoring: 104,16 auf den ersten neun Darts und 105,14 auf den ersten drei. Er kommt regelmäßig nach drei Aufnahmen auf ein Finish und verwertet 42,67 Prozent seiner Checkout-Versuche. Auffällig ist, dass sein Average gegen den Anwurf des Gegners mit 97,68 höher liegt als mit eigenem Anwurf (95,23) — er drückt also, wenn er das Leg des Gegners angreift. Zu Buche schlagen dabei allerdings nur 42,04 Prozent gewonnene Legs gegen den Anwurf. Er erzeugt viele Breakchancen, nutzt aber nicht jede.
Karel Sedlacek: mit 47 zum ersten Mal auf einer World-Series-Bühne
Sedlacek kommt auf sechs Jahre mit Tour Card und gehört seit Jahren zum internationalen Feld der PDC, ohne je einen Titel auf Bühnenebene gewonnen zu haben. Seine besten Ergebnisse bei Major-Turnieren sind die Runde der letzten 64 bei der Weltmeisterschaft 2023, die letzten 32 bei den UK Open 2023 und die letzten 16 bei den Players Championship Finals 2020. Mit dem Einzug in die zweite Runde von Amsterdam hat er diese beste Runde eingestellt. In der Order of Merit steht er auf Rang 57 mit 153.000 Pfund, 54 Plätze hinter van Veen.
Nach Amsterdam kam er über den Tour Card Holder Qualifier, der am 24. August in Leicester ausgetragen wurde. Dort gewann er fünf Partien an einem Tag: 6:4 gegen Bradley Brooks, 6:5 gegen Jimmy van Schie mit 101,82, 6:3 gegen Ryan Meikle mit 103,80, 6:1 gegen Charlie Manby und im Finale 6:4 gegen Owen Bates mit 105,22. Im Mittel waren das 99,53 über fünf Partien, der beste Tag seiner Saison. Als erster Tscheche im Teilnehmerfeld dieses Turniers steht er nun in Amsterdam.
Sein 6:4 gegen Ben Robb am Donnerstag mit einem Average von 99,37 lag in derselben Größenordnung. Robb verlor die Partie, obwohl er jeden seiner Versuche auf ein Double traf — Sedlacek machte seine sechs Legs also zu, bevor der Neuseeländer überhaupt an ein Double kam.
Auf der Floor-Tour schlägt er regelmäßig Spieler aus den Top 25 der Welt. In den vergangenen zwölf Monaten gewann er 6:2 gegen Damon Heta, 6:4 gegen Danny Noppert, 6:2 gegen Jermaine Wattimena, 6:5 gegen Chris Dobey, 6:0 gegen Wessel Nijman, 6:2 gegen Ryan Searle, 6:0 gegen Dimitri Van den Bergh und 6:1 gegen Martin Schindler. Das ist die Bilanz eines Spielers, der an einem guten Tag jeden im Feld schlagen kann.
Auf der großen Bühne fallen seine Zahlen anders aus. In der Runde der letzten 32 der European Tour — der Runde, in der er auf gesetzte Spieler trifft — steht er 2026 bei einem Sieg und fünf Niederlagen. Der Sieg war das 6:2 gegen Heta im April. Die Niederlagen kamen gegen Mensur Suljović (4:6 bei einem Average von 81,91), Martin Schindler (5:6 bei 81,74), erneut Heta (4:6 bei 89,71), Jonny Clayton (1:6 bei 97,93) und vergangene Woche in Antwerpen gegen Wattimena (3:6 bei 91,96). Seine Werte schwanken auf dieser Ebene erheblich, und sein Average der vergangenen zwölf Monate liegt mit 93,06 auf Rang 29 der besten 32.
Gian van Veen vs. Karel Sedlacek H2H
Fünf Begegnungen haben die beiden schon gegeneinander gespielt, vier davon gewann van Veen.
Datum | Turnier | Ergebnis |
|---|---|---|
09.09.2025 | Players Championship 26 | van Veen 6:3 |
19.06.2025 | Players Championship 19 | van Veen 6:5 |
17.03.2025 | Players Championship 7 | Sedlacek 6:3 |
29.09.2023 | Players Championship 24 | van Veen 6:3 |
Alle vier Duelle fanden auf der Floor-Tour statt, keines auf einer Bühne und keines vor einem Publikum dieser Größe. Alle vier gingen über Best of 11, also über eine Distanz, die es am Samstag nicht mehr gibt. Und das jüngste liegt gut zwölf Monate zurück: Seit dem 9. September 2025 sind sich die beiden nicht mehr begegnet.
Gian van Veen - Karel Sedlacek Tipp
Gian van Veen – Karel Sedlacek
- Sieg Gian van Veen -2,5
- Quote: 1,59
Der Tipp für diese Partie ist eine Handicap-Wette auf einen Sieg von Gian van Veen -2,5. Die Wette gewinnt, wenn van Veen mit mindestens drei Legs Vorsprung gewinnt, bei 10:8 oder 10:9 ist sie verloren. Der stärkste Grund dafür steht in seiner eigenen Bilanz über genau diese Distanz: Van Veen hat in den vergangenen zwölf Monaten drei Partien über Best of 19 gewonnen, jede davon mit mindestens vier Legs Vorsprung — 10:2 gegen Searle, 10:5 gegen Joyce, 10:6 gegen Ratajski. Die einzige knappe Partie über diese Länge verlor er, 7:10 gegen Cross. Über neunzehn Legs gewinnt er entweder deutlich oder gar nicht.
Dahinter steht ein Leistungsunterschied, den die lange Distanz eher vergrößert als verkleinert: 96,37 gegen 93,06 im Average der vergangenen zwölf Monate, Rang 8 gegen Rang 29, dazu 42,67 gegen 37,33 Prozent verwertete Checkouts. Über elf Legs ließe sich das mit einer guten halben Stunde überspielen, über zehn zu gewinnende Legs nicht. Sedlacek geht zudem ohne jede Erfahrung mit diesem Format in die Partie: Er hat in zwölf Monaten keine Begegnung bestritten, in der er zehn Legs gewinnen musste, sein längstes Format war Best of 13, und beide Partien über diese Länge verlor er.
Dazu kommt die Form. In seinen fünf jüngsten Partien auf der Bühne kommt van Veen im Mittel auf 97,14 und damit über seinen eigenen Zwölfmonatswert, vier davon gewann er; gegen Sedlacek hat er vier der fünf erfassten Duelle für sich entschieden und spielt am Samstag vor heimischem Publikum. Zwei Zahlen sprechen dagegen: Sedlacek hält sein Leg mit eigenem Anwurf fast so zuverlässig wie van Veen, 66,04 gegen 66,31 Prozent, und gewinnt gegen den Anwurf anteilig sogar etwas mehr Legs — was vor allem an der schwächeren Gegnerschaft auf der Floor-Tour liegt. Sein Average von 99,37 gegen Robb liegt allerdings gut sechs Punkte über seinem Zwölfmonatswert und über allem, was er 2026 auf der Bühne der European Tour gezeigt hat, wo er mit 81,91, 81,74, 89,71 und 91,96 verlor.
Fazit und Prognose
Der Beginn dürfte eng werden. Beide Spieler halten ihr Leg mit eigenem Anwurf ähnlich zuverlässig, und keiner von beiden gewinnt mehr als 43,46 Prozent der Legs gegen den Anwurf des anderen — bei van Veen sind es 42,04 Prozent. Eine Anfangsphase, in der die Legs überwiegend mit dem Anwurf fallen und über eine ganze Weile nichts entschieden ist, passt zu diesen Werten besser als ein früher Ausreißer in eine Richtung.
Die Partie kippt dort, wo Sedlacek seine Auftritte auf der großen Bühne bisher verloren hat. In der zweiten Runde der European Tour steht er 2026 bei einem Sieg aus sechs Partien, und das über die halbe Distanz. Über neunzehn Legs verlangt dieselbe Aufgabe zwei Anläufe statt einem: Wer einmal ins Straucheln gerät, hat zwar Zeit zurückzukommen, muss seine starke Phase dafür aber auch ein zweites Mal finden. Bei einem Spieler mit einem Average von 93,06 über zwölf Monate ist das die unwahrscheinlichere Annahme.
Van Veen geht als klar besserer Scorer in die Partie, mit demselben Ruhetag wie sein Gegner und vor heimischem Publikum. Läuft sie normal, setzt er sich in der zweiten Hälfte über Breaks ab und gewinnt mit deutlichem Abstand.